
To stop Deportation of William ikor
Herrn
Ministerpräsident Matthias Platzeck
Sehr geehrter Herr Platzeck,
ich wende mich an Sie in einer dringenden Angelegenheit. Wie Sie
wissen, droht dem Flüchtling William Ikor die Abschiebung nach
Kamerun. Am 24. Mai wird die Härtefallkommission sich mit seinem Fall
befassen. Ich möchte Sie bitten, sich für William Ikor einzusetzen.
•
William Ikor lebt in Brandenburg seit dem Jahr 2001, seit elf Jahren lebt
er in Rathenow. Elf Jahre in Deutschland – wie kann man einen
Menschen, der so lange Zeit unter uns gelebt hat, abschieben? Bei
allenbisherigen Bleiberechtsregelungen sowie bei den aktuellen von der
SPD mitgetragenen Entwürfen für eine neue stichtagsunabhängige
Bleiberechtsregelung wird übereinstimmend anerkannt, dass nach acht
Jahren gelebter Integration ein Aufenthaltsrecht erteilt werden
sollte. Und nun soll jemand nach elf Jahren abgeschoben werden?
.
William Ikor engagiert sich seit Jahren in Rathenow, viele kennen und
schätzen ihn, wie er das Internet-Cafévon „Refugees Emancipation“
aufgebaut und am Laufen gehalten hat. Die Arbeit von Refugees
Emancipation wird in dem Bericht der Landesregierung vom 06.01.12
als Best-Practise Projekt aufgeführt.
Herr Ikor hat sich um ein besseres Verständnis zwischen den
Flüchtlingen und der deutschen Bevölkerung in Rathenow verdient
gemacht – und das in Rathenow, wo es bis heute ein massives Nazi
-Problem gibt. In Zukunft könnte er sogar einen „Bürgerarbeitsplatz“ im
Internet-Café haben. Zwei konkrete Jobangebote im Garten- und
Landschaftsbau im Havelland hat er ohnehin schon. Sein Deutsch ist
nicht schlecht und er ist gut integriert – und so jemand soll nach über
10 jährigem Aufenthalt aus Brandenburg abgeschoben werden ?
•
Bei einer Abschiebung nach Kamerun droht ihm die Festnahme schon
am Flughafen. Kamerun ist ein hochkorrupter Staat. Transparency
international listet Kamerun auf Platz 146 von 178 Staaten ganz oben
auf dem Korruptionsindex. Nach dem „Global Corruption
Barometer“ gilt die Polizei von Kamerun als die„korrupteste Institution
der Welt“. Konkret heißt das, dass die Grenzpolizei unberechenbar ist.
Abgeschobene Asylbewerber nimmt sie in der Regel erst einmal fest.
Was dann geschieht, hängt vom Zufall und dem Bakschisch ab. Es ist
nicht mit Sicherheit auszuschließen, dass Herr Ikor, weil er die
Gendarmerie nicht bestechen kann, in ein Gefängnis geworfen wird.
Und es ist allgemein bekannt, dass die Gefängnisse in Kamerun
lebenbedrohlich sind: drei- bis vierfach überbelegt, ohne medizinische
Versorgung, ohne ausreichendes Essen. Ein Ticket zum Sterben.
•
Nach den Regeln der Härtefallkommission hat William Ikor ein Problem.
Die Ausländerbehörde Rathenow wirft ihm vor, er
sei sog. „Mitwirkungspflichten“ nicht ausreichend nachgekommen.
Tatsächlich hat er sich aber wiederholt bei der Botschaft Kameruns um
die Ausstellung eines Passes bemüht. Er ist lediglich nicht mitnach Köln
gefahren, wo er von kamerunischen Regierungsbeamten hätte verhört
werden sollen, damit ihm auf diesem Wege ein Reisepass ausgestellt
wird. Herr Ikor sagt, er habe Angst gehabt und Alpträume, bei der
Vorstellung, die üblichen korrupten Beamten aus Kamerun zu treffen,
die ihn nur genauer unter die Lupe nehmen wollten. Darf ihm daraus
ein Strick gedreht werden?
Herr Platzeck, aus diesen Gründen möchte Sie bitten, sich für eine
humanitäre Lösung für William Ikor einzusetzen. Bitte halten Sie mich
über Ihre Schritte auf dem Laufenden.
Mit freundlichen Grüßen
__________________________ (Unterschrift)
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